Lexikon · Technik
Sequenzielle digitale Dermatoskopie
Dermatoskopie mit gespeicherten Bildern im Zeitverlauf. Findet Melanome, die im Einzelbild keine Malignitätskriterien zeigen.
Auch: SDD · Verlaufsdermatoskopie · Muttermal-Monitoring
Die Empfehlung
Empfehlungsgrad B, Level of Evidence 2b, Konsensstärke 100 %:
Die sequenzielle digitale Dermatoskopie kann die Früherkennung von malignen Melanomen, die keine spezifischen dermatoskopischen Malignitätskriterien aufweisen, in der Verlaufskontrolle verbessern.
Was sie leistet, was die Einzelaufnahme nicht kann
Die S3-Leitlinie beschreibt den Vorteil genau: die Möglichkeit, „über den Verlauf auch Veränderungen zu detektieren, die keine typischen dermatoskopischen Malignitätskriterien aufweisen, jedoch eine morphologische oder farbliche Dynamik besitzen”.
Ein Muttermal, das im Einzelbild unauffällig ist, sich aber in vier Monaten verändert hat, ist verdächtig — obwohl kein einzelnes Bild es verraten hätte.
Die Zahlen
Haenssle et al. wiesen gegenüber der Routinedermatoskopie eine Verbesserung der Früherkennung um 17 % nach, bei einem Follow-up von im Mittel 32 Monaten. Die Rate exzidierter Melanome lag unter allen Exzisaten bei 8,3 %.
Kittler et al. untersuchten 499 pigmentierte Läsionen histopathologisch nach unterschiedlich langem Follow-up und wiesen 92 Melanome nach. Der Anteil dieser Melanome ohne typische dermatoskopische Merkmale, die sich aber im Verlauf verändert hatten:
| Follow-up | Anteil ohne typische Merkmale |
|---|---|
| 1,5–4,5 Monate | 61,8 % |
| 4,6–8,0 Monate | 45 % |
| über 8 Monate | 35,1 % |
Die zwei Zeitfenster
Die Leitlinie nennt beide Einsatzarten: kurzfristige Kontrolle auffälliger Läsionen über ein bis drei Monate und mittel- bis langfristiges Screening.
Was das für die Praxis heißt
Wer ein Muttermal-Monitoring angeboten bekommt, sollte fragen, in welchem Intervall kontrolliert wird — und ob die Bilder tatsächlich gespeichert und verglichen werden. Ohne Vergleich ist es keine sequenzielle Dermatoskopie, sondern eine wiederholte Momentaufnahme.