Lexikon · Technik
3-D-Histologie
Lückenlose Kontrolle der Schnittränder statt Stichproben. Erlaubt kleinere Sicherheitsabstände dort, wo Gewebe knapp ist.
Auch: Mikrographisch kontrollierte Chirurgie · Schnittrandkontrolle
Die Empfehlung
Konsensbasierte Empfehlung (EK), Konsensstärke 88 %:
Bei malignen Melanomen (z. B. Lentigo-maligna-Melanom, akrale Melanome) an speziellen anatomischen Lokalisationen, wie Grenzflächen im Gesicht, Ohren, Finger und Zehen, können reduzierte Sicherheitsabstände verwendet werden. Retrospektive Arbeiten zeigten unter Einsatz der 3-D-Histologie (mikrographisch kontrollierte Chirurgie) nicht vermehrt Lokalrezidive oder ein geringeres Gesamtüberleben.
Was das Verfahren leistet
Bei der konventionellen Aufarbeitung wird das Präparat in Scheiben geschnitten und stichprobenartig beurteilt. Ein Tumorausläufer zwischen zwei Schnittebenen kann unentdeckt bleiben.
Die 3-D-Histologie beurteilt den gesamten Rand — lateral und in der Tiefe. Was dort tumorfrei ist, ist tatsächlich tumorfrei, nicht wahrscheinlich tumorfrei.
Warum daraus kleinere Abstände folgen
Der Sicherheitsabstand ist eine Absicherung gegen das, was man nicht sieht. Wenn die Kontrolle lückenlos ist, braucht es diese Absicherung in geringerem Maß.
Genau darum geht es an den genannten Stellen: Am Augenlid, am Nasenflügel, am Ohr, am Finger kostet jeder zusätzliche Zentimeter Funktion oder Form.
Die Einschränkung, die die Leitlinie selbst macht
Da die Datenlage für diese Situation limitiert ist, sollte der Operateur die Entscheidung mit dem informierten Patienten zusammen treffen.
Die Belege sind retrospektiv. Die Leitlinie erlaubt das reduzierte Vorgehen — verlangt dafür aber ausdrücklich die gemeinsame, informierte Entscheidung.
Wo es sonst noch genannt wird
Die Leitlinie nennt die Entfernung subungualer Melanome — unter dem Nagel — mit 3-D-Histologie ausdrücklich. Und beim Plattenepithelkarzinom formuliert die AK/PEK-Leitlinie mit Empfehlungsgrad A: „Dabei soll die mikrographisch kontrollierte Chirurgie zur Anwendung kommen.”