Lexikon · Klinik
In-situ-Melanom
Melanom, das die Basalmembran noch nicht durchbrochen hat. Vollständige Exzision ist Pflicht — der Abstand dagegen ist nicht durch Studien festgelegt.
Auch: Melanoma in situ · Lentigo maligna
Die Empfehlung
Konsensbasierte Empfehlung (EK), Konsensstärke 88 %:
Für In-situ-Melanome soll eine komplette Exzision mit histopathologischer Kontrolle durchgeführt werden.
Begründung der Leitlinie: „um ein fortschreitendes Wachstum und damit den Übergang in ein invasives malignes Melanom zu verhindern”.
Die offene Frage
Randomisierte kontrollierte Studien zum adäquaten Sicherheitsabstand liegen dazu derzeit nicht vor.
Das ist eine bemerkenswerte Lücke: Für das invasive Melanom nennt die Leitlinie klare Abstände von 1 cm und 2 cm mit Empfehlungsgrad A und Level of Evidence 1a. Für die Vorstufe fehlt die entsprechende Evidenz.
Was die vorhandenen Daten sagen
Joyce et al. untersuchten retrospektiv 410 Personen mit Melanoma in situ und postulierten, dass bei der Technik der weiten Exzision der histologische Sicherheitsabstand größer als 3 mm sein sollte:
| Sicherheitsabstand | Rezidivrate |
|---|---|
| unter 3 mm | 3,8 % |
| über 3 mm | 0,5 % |
Kunishige et al. zeigten in einer prospektiven Serie mit 1.072 Personen die Wahrscheinlichkeit der Tumorfreiheit nach mikroskopisch kontrollierter Exzision.
Warum die Lentigo maligna hier steht
Sie ist die In-situ-Form, die typischerweise im Gesicht chronisch lichtgeschädigter Haut auftritt — also genau dort, wo großzügige Sicherheitsabstände funktionell und kosmetisch teuer sind.
Für solche Lokalisationen sieht die Leitlinie ausdrücklich reduzierte Abstände unter Einsatz der 3-D-Histologie vor.
Was das für Betroffene heißt
„In situ” ist die günstigste Ausgangslage — und trotzdem kein Grund für einen Kompromiss bei der Vollständigkeit. Die Empfehlung lautet komplette Exzision mit histopathologischer Kontrolle, nicht Beobachtung.