Lexikon · Recht und Zulassung
Level of Evidence
Angabe, wie belastbar die Studienlage hinter einer Leitlinienempfehlung ist. Nicht zu verwechseln mit dem Empfehlungsgrad.
Auch: LoE · Evidenzgrad
Zwei Zahlen, die oft verwechselt werden
Eine Leitlinienempfehlung trägt in der Regel zwei Kennzeichnungen:
- den Empfehlungsgrad (A, B oder 0) — wie dringlich die Leitliniengruppe rät
- den Level of Evidence (1, 2, 3 …) — wie gut die zugrunde liegende Studienlage ist
Die beiden können auseinanderfallen, und genau das ist interessant.
Beispiele aus der AK-Leitlinie
| Empfehlung | Grad | LoE |
|---|---|---|
| Ingenolmebutat soll nicht angeboten werden | A | 2 |
| Radiotherapie bei Inoperabilität | B | 3 |
| Tirbanibulin bei AK | B | 2 |
| Kombinationstherapie bei AK | B | 1 |
Die Empfehlung gegen Ingenolmebutat hat den höchsten Grad bei mittlerem Evidenzniveau — weil das Sicherheitssignal schwer wiegt, auch wenn die Daten unveröffentlicht sind. Die Radiotherapie bei Inoperabilität hat einen mittleren Grad bei niedrigem Evidenzniveau, weil randomisierte Studien schlicht fehlen und es trotzdem keine Alternative gibt.
Was das für Leser bedeutet
Ein hoher Empfehlungsgrad heißt nicht automatisch „gut belegt”. Er heißt: Die Fachgesellschaft hat sich nach Abwägung von Nutzen, Schaden und Datenlage klar festgelegt. Wer wissen will, wie fest der Boden ist, liest den Level of Evidence daneben.