Lexikon · Recht und Zulassung
Empfehlungsgrad und Evidenzlevel
In S3-Leitlinien werden Empfehlungsstärke und Datenqualität getrennt ausgewiesen. Beides zu lesen lohnt sich.
Auch: Empfehlungsgrad A B 0 · Level of Evidence · LoE
S3-Leitlinien trennen zwei Dinge, die oft verwechselt werden.
Der Empfehlungsgrad sagt, wie stark geraten wird:
| Grad | Formulierung |
|---|---|
| A | „soll” — starke Empfehlung |
| B | „sollte” — Empfehlung |
| 0 | „kann” — offene Empfehlung |
Der Level of Evidence (LoE) sagt, wie gut die Datenlage ist — von 1 (Meta- analysen und randomisierte kontrollierte Studien hoher Qualität) abwärts.
Dazu kommt die Konsensstärke und, wo keine Studien vorliegen, der Expertenkonsens (EK).
Warum beides zählt
Ein hoher Evidenzlevel bei schwachem Empfehlungsgrad bedeutet: Man weiß viel — und das Wenige, was man weiß, spricht nicht für einen klaren Vorteil.
Umgekehrt kann eine starke Empfehlung auf Expertenkonsens beruhen, weil Studien fehlen oder nicht durchführbar sind.
Beispiel aus der Praxis: Die Empfehlungen zu 5-Fluorouracil, Diclofenac und photodynamischer Therapie bei aktinischer Keratose tragen jeweils Empfehlungsgrad B bei Level of Evidence 1. Man weiß also viel über sie — und keine sticht die anderen klar aus.