Lexikon · Recht und Zulassung
Konsensstärke
Wie viele Stimmberechtigte einer Leitlinienempfehlung zugestimmt haben. Vier definierte Stufen mit festen Prozentgrenzen.
Auch: Starker Konsens · Konsens · Dissens
Die vier Stufen
Die S3-Leitlinie legt sie ausdrücklich fest:
| Konsensstärke | Prozentuale Zustimmung |
|---|---|
| Starker Konsens | > 95 % der Stimmberechtigten |
| Konsens | > 75–95 % |
| Mehrheitliche Zustimmung | > 50–75 % |
| Dissens | < 50 % |
Warum das mitzulesen lohnt
Weil es die dritte Dimension neben Empfehlungsgrad und Level of Evidence ist. Eine Empfehlung mit starkem Konsens ist unter Fachleuten unstrittig — auch wenn der Evidenzgrad mäßig ist. Eine Empfehlung, die nur „Konsens” erreicht, hatte in der Abstimmung ernstzunehmenden Widerspruch.
Bei den Behandlungsempfehlungen zur aktinischen Keratose ist der weit überwiegende Teil im starken Konsens verabschiedet worden. Das ist ein starkes Signal: Über das Ob wird kaum gestritten, über das Womit schon.
Die Sprachregelung dazu
Parallel definiert die Leitlinie den Empfehlungsgrad über die Ausdrucksweise:
| Grad | Beschreibung | Ausdrucksweise |
|---|---|---|
| A | Starke Empfehlung | soll |
| B | Empfehlung | sollte |
| 0 | Empfehlung offen | kann |
Wer eine Leitlinie liest, liest damit drei Angaben in jeder Empfehlung: wie dringend, wie gut belegt, wie einig.