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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer

Lexikon · Wirkstoffe

Antibiotika-Resistenz bei Hidradenitis suppurativa

Die Leitlinie behandelt Antibiotika bei HS/AI als Dauertherapie einer nicht primär infektiösen Erkrankung — und benennt den Zielkonflikt offen.

Auch: Resistenzentwicklung unter Langzeitantibiose

Der Zielkonflikt, den die Leitlinie ausspricht

Hidradenitis suppurativa wird mit Antibiotika behandelt, obwohl sie keine Infektionskrankheit ist. Die S2k-Leitlinie sagt das deutlich:

Die langfristige Applikation topischer Antibiotika zur Behandlung einer pathophysiologisch nicht primär infektiösen Erkrankung wird kritisch diskutiert. Topisches Clindamycin könnte die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung resistenter Erreger erhöhen.

Dieselbe Leitlinie empfiehlt Clindamycin bei milder Form trotzdem mit der höchsten Stärke (⇑⇑). Beides steht nebeneinander — als Abwägung, nicht als Widerspruch.

Die Frist als Gegengewicht

⇑⇑ (mehrheitliche Zustimmung):

Bei der Therapie mit systemischen Antibiotika soll nach spätestens 3 Monaten eine Überprüfung der Sinnhaftigkeit einer verlängerten Therapiedauer und der mögliche Wechsel auf eine andere Therapieform (Biologika, operative Exzision) empfohlen werden.

Das ist die praktische Antwort auf das Resistenzproblem: keine unbefristete Antibiose, sondern ein gesetzter Entscheidungszeitpunkt.

Warum Clindamycin und Rifampicin zusammen gegeben werden

Die übliche Begründung lautet, dass der Kombinationspartner die Resistenzentwicklung gegen Rifampicin bremst. Die Leitlinie hält diese Annahme für nicht gesichert:

[Es] wird kontrovers diskutiert, da Rifampicin eventuell den Abbau von Clindamycin stimuliert und Clindamycin bereits nach 2 Wochen nur noch 10 % der ursprünglichen Plasmakonzentration aufweist. Die beabsichtigte Hemmung der Resistenzentwicklung gegen Rifampicin könnte damit wohl nicht erreicht werden.

Sie ergänzt allerdings, die Verringerung im Blut könne umgekehrt eine höhere Verfügbarkeit im Gewebe bedeuten — also dort, wo der Wirkstoff gebraucht wird.

Eine Substanzklasse fällt ganz heraus

Vor dem Hintergrund aktueller Empfehlungen zur Sicherheit von Fluorchinolonen durch die Europäische Arzneimittel-Agentur kann der Einsatz Fluorchinolon-basierter Therapien bei der HS/AI nicht empfohlen werden.

Ein Beispiel dafür, wie eine Sicherheitsbewertung auf Behördenebene direkt in eine Therapieempfehlung durchschlägt — dasselbe Muster wie beim Ruhen der Ingenolmebutat-Zulassung.

Was das für Betroffene bedeutet

Wer seit Monaten Antibiotika nimmt, ohne dass ein Ende besprochen wurde, hat eine berechtigte Frage: Was ist der Plan nach den drei Monaten? Die Leitlinie sieht an dieser Stelle ausdrücklich den Wechsel auf Biologika oder Chirurgie vor.