Lexikon · Klinik
Wann eine systemische Therapie bei Alopecia areata
Die S3-Leitlinie nennt fünf Situationen, in denen Erwachsenen eine systemische Therapie angeboten werden sollte. Eine davon ist reiner Leidensdruck.
Auch: Indikation zur Systemtherapie bei AA
Die fünf Situationen bei Erwachsenen
Die deutsche S3-Leitlinie zur Alopecia areata formuliert im starken Konsens:
Die Einleitung einer systemischen Therapie sollte bei Erwachsenen mit AA in den folgenden Situationen angeboten werden:
- Patientinnen und Patienten ab einer moderaten AA bei ausbleibendem Ansprechen auf topische Therapieoptionen über 6 Monate
- Bei schwerer bis sehr schwerer AA, die länger als sechs Monate besteht
- Bei innerhalb von Tagen bis Wochen rasch progredienter AA
- Patientinnen und Patienten ab einer moderaten AA bei hohem Leidensdruck / ausgeprägter Einschränkung der Lebensqualität
- Bei AA mit schwerer Nagelbeteiligung
Drei dieser Kriterien sind rein objektiv — Schweregrad, Dauer, Nägel. Zwei sind es nicht: die rasche Progredienz, die man selbst am besten bemerkt, und der Leidensdruck, der sich in keinem Score abbilden lässt.
Das ist der praktisch wichtigste Punkt: Ein SALT-Score im moderaten Bereich schließt eine systemische Therapie nicht aus, wenn die Lebensqualität ausgeprägt eingeschränkt ist. Wer das im Gespräch nicht anspricht, bekommt es nicht angeboten.
Bei Jugendlichen
Drei Situationen, ebenfalls im starken Konsens:
- ab einer moderaten AA mit hohem Leidensdruck oder ausgeprägter Einschränkung der Lebensqualität und ausbleibendem Ansprechen auf topische Optionen über sechs Monate
- bei schwerer bis sehr schwerer AA ab einem Bestehen von mehr als sechs Monaten
- bei innerhalb von Tagen bis Wochen rasch progredienter AA
Der Unterschied zu Erwachsenen: Bei Jugendlichen ist der Leidensdruck an das Ausbleiben eines topischen Erfolgs gekoppelt, bei Erwachsenen steht er für sich.
Bei Kindern
Bei Kindern mit AA sollte eine systemische Therapie in ausgewählten Einzelfällen, nach besonderer Abwägung von Nutzen und Risiken, erfolgen.
Die Sechs-Monats-Regel für den Wechsel
Und schließlich eine Empfehlung mit der stärksten Formulierung, die das Regelwerk kennt — „soll”:
Bei unzureichendem Ansprechen auf eine topische oder systemische Therapie über einen Zeitraum von 6 Monaten soll das therapeutische Vorgehen reevaluiert und ein Wechsel auf eine alternative Therapie angeboten werden.
Sechs Monate ohne ausreichendes Ansprechen sind damit keine Frage der Geduld, sondern der Anlass, das Vorgehen zu überprüfen. Das gilt in beide Richtungen — für topische wie für systemische Therapien.