Lexikon · Klinik
SALT-Score
Misst den Anteil der haarlosen Kopfhaut in Prozent. Er entscheidet in der Leitlinie darüber, welche Therapie überhaupt zur Debatte steht.
Auch: Severity of Alopecia Tool
Wofür er da ist
Der Severity of Alopecia Tool-Score bestimmt den Schweregrad der Alopecia areata über den Anteil der von Haarverlust betroffenen Kopfhaut. Die deutsche S3-Leitlinie ordnet ihre gesamten Therapietabellen danach:
| Schweregrad | SALT-Score |
|---|---|
| mild | unter 25 % |
| moderat | 25 bis 49 % |
| schwer | über 50 bis 75 % |
| sehr schwer | 76 bis 100 % |
Wer diese vier Zeilen kennt, kann die Leitlinie lesen. Praktisch jede Empfehlung zu Wirkstoffen ist nach ihnen aufgeschlüsselt — und der Sprung zwischen „moderat” und „schwer” ist derjenige, an dem systemische Therapien überhaupt erst in Betracht kommen.
Was er nicht misst
Die Leitlinie benennt die Grenze des Instruments selbst: Der SALT-Score bildet Merkmale nicht ab, die für die Beurteilung von Schwere und Prognose wichtig sind. Insbesondere erfasst er nur die Kopfhaut.
Für alles andere gibt es ergänzende Bewertungsskalen — für Augenbrauen, Wimpern, Bart, Achselhöhlen und Schamhaar. Diese Methode berücksichtigt neben dem SALT-Score auch das Muster der Kopfhautbeteiligung und die Anzahl weiterer betroffener Areale.
Das ist keine akademische Feinheit. Ein Mann mit einem SALT-Score von 10 — formal „mild” — kann durch einen vollständigen Bartverlust erheblich stärker belastet sein als die Zahl vermuten lässt. Die Leitlinie führt „Augenbrauen, Bart” in ihren Empfehlungstabellen deshalb als eigene Zeile neben den vier Schweregraden.
Wie er berechnet wird
Die Kopfhaut wird in vier Quadranten unterteilt, die jeweils einen festen Anteil der Gesamtfläche darstellen:
| Quadrant | Anteil |
|---|---|
| linke Seite | 18 % |
| rechte Seite | 18 % |
| Oberseite | 40 % |
| Rückseite | 24 % |
In jedem Quadranten wird der Prozentsatz des Haarverlusts visuell geschätzt, gewichtet und addiert. Das Maximum liegt bei 100 Prozent.
Daraus ergeben sich sechs Stufen — in der Literatur oft als S0 bis S5 bezeichnet: S0 kein Haarverlust, S1 unter 25 %, S2 25 bis 49 %, S3 50 bis 74 %, S4 75 bis 99 %, S5 vollständiger Verlust. Üblicherweise gilt ein SALT ab 50 als schwere, ab 75 als sehr schwere Alopecia areata.
Zwei Punkte, die daraus folgen. Erstens: Die Schätzung ist visuell — der Score ist reproduzierbar, aber nicht gemessen. Eine Fotodokumentation begleitet die Einschätzung idealerweise. Zweitens: Weil die Oberseite mit 40 Prozent gewichtet ist, verändert ein Herd am Oberkopf den Score stärker als ein gleich großer an der Seite.
Ergänzende Instrumente
Die Leitlinie nennt zwei Erweiterungen. Der Alopecia Areata Progression Index (AAPI) fügt dem SALT-Score klinische Befunde hinzu — Haarzupftest und dermatoskopische Befunde — und bewertet damit die Gesamtaktivität des Haarausfalls bei pigmentiertem Haar.
Für Augenbrauen, Wimpern und Nägel gibt es eigene Instrumente. Die Leitlinie empfiehlt dazu im starken Konsens, deren Einsatz zu erwägen — das ClinRO-Instrument oder patientenberichtete Skalen.
Als Studienendpunkt
In der Studienliteratur begegnet der Score in zwei abgeleiteten Formen:
- SALT 50 — Rückgang des Ausgangswerts um mindestens 50 Prozent
- SALT 75 und SALT 90 — entsprechend um 75 bzw. 90 Prozent
Die Zulassungsdaten der JAK-Inhibitoren sind überwiegend an diesen Größen gemessen. Wer Studienergebnisse vergleicht, muss deshalb zuerst prüfen, welcher der drei Endpunkte gemeint ist: Zwischen SALT 50 und SALT 90 liegt regelmäßig ein Faktor in der Ansprechrate.