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Recht

Hautkrebs als Berufskrankheit: Was 2,4 Millionen Menschen wissen sollten

Seit 2015 sind Plattenepithelkarzinome und multiple aktinische Keratosen durch Sonne eine anerkannte Berufskrankheit. Ärzte müssen sie melden.

Von der GLABRIO-Redaktion2 Min. Lesezeit

Quellenlage geprüft am 23. August 2026.

Es ist eine der folgenreichsten Regelungen für Männer in Außenberufen — und kaum jemand kennt sie.

Was 2015 geändert wurde

Zum 1. Januar 2015 wurde mit der Novellierung der Berufskrankheitenverordnung die Berufskrankheit Nr. 5103 BKV neu in die Liste aufgenommen:

„Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung”

Damit ist heller Hautkrebs durch berufliche Sonnenexposition eine anerkannte Berufskrankheit. Anerkannt heißt: Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung — Behandlung, Rehabilitation, unter Umständen Rente.

Die Anzeigepflicht liegt bei der Ärztin

Die S3-Leitlinie hält fest: Ärztinnen und Ärzte sind nach § 202 SGB VII gesetzlich zur Anzeige verpflichtet, wenn im Rahmen einer versicherten beruflichen Tätigkeit der begründete Verdacht auf eine Berufskrankheit besteht. Das gilt auch für Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie für Unternehmerinnen und Unternehmer.

Der bemerkenswerte Zusatz: Gemeldet werden muss auch dann, wenn die versicherte Person widerspricht. Abgesehen werden kann davon nur, wenn Gewissheit besteht, dass die Erkrankung bereits gemeldet ist.

Wie viele Menschen es betrifft

Nach Auskunft der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sind in Deutschland 2,4 Millionen Beschäftigte im Freien tätig. Die S3-Leitlinie zur Prävention von Hautkrebs diskutiert diese Zahl kritisch: Sie beruhe auf der Annahme, dass Outdoor-Worker mindestens 60 Prozent — nach anderen Quellen 75 Prozent — ihrer Arbeitszeit im Freien verbringen. Neuere Untersuchungen der DGUV legten nahe, den Begriff neu zu definieren, da er derzeit „eher willkürlichen Charakter” habe.

Die Definition entscheidet mit darüber, wer überhaupt in den Blick betrieblicher Prävention gerät.

Warum gerade dieser Tumortyp

Die Wahrscheinlichkeit, an einem Plattenepithelkarzinom zu erkranken, korreliert mit der kumulativen UV-Dosis eines Lebens — nicht mit einzelnen Sonnenbränden. Genau das ist das Muster beruflicher Exposition: viele Jahre, viele Stunden, selten spektakulär.

Die typischen Lokalisationen sind entsprechend: Kopfhaut bei lichtem Haar, Ohren, Nase, Unterlippe, Handrücken, Nacken.

Was Sie tun können

Erstens: Wer über Jahre im Freien gearbeitet hat und raue, schuppende Stellen an diesen Arealen bemerkt, sollte das dermatologisch ansehen lassen — und die berufliche Tätigkeit von sich aus erwähnen. Die Anzeige geht von der Praxis aus, nicht von Ihnen.

Zweitens: Der wirksamste Schutz im Beruf ist nicht Creme, sondern Textil. Die Mittagszeit lässt sich auf einer Baustelle nicht meiden — eine Kopfbedeckung mit Nackenschutz schon.

Drittens: Die Leitlinie zur aktinischen Keratose nennt für die Behandlung mehrere gleichwertige Optionen mit Empfehlungsgrad B. Es gibt also Auswahl — zwischen kurzer, deutlicher Reaktion und langer, milder.

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