Lexikon · Technik
Trichoskopie
Dermatoskopie von Kopfhaut, Haarfollikeln und Haarschäften. Sie trennt vernarbenden von nicht vernarbendem Haarausfall — ohne Schnitt.
Auch: Dermatoskopie der Kopfhaut · Haarwurzel-Dermatoskopie
Wozu
Die Trichoskopie ist nach der deutschen S3-Leitlinie zur Alopecia areata eine einfache, nichtinvasive mikroskopische Untersuchung von Kopfhaut, Haarfollikeln und Haarschäften. Ihre wichtigste Leistung nennt die Leitlinie zuerst: die Unterscheidung zwischen nicht vernarbenden und vernarbenden Haarerkrankungen — und damit zwischen einer Situation, in der Haare nachwachsen können, und einer, in der der Follikel verloren ist.
Dazu kommt die Bestätigung der klinischen Verdachtsdiagnose einer Alopecia areata und die Bewertung ihrer Krankheitsaktivität.
Die Technik
Empfohlen wird zunächst eine trockene dermatoskopische Untersuchung, um Schuppen oder perifollikuläre Keratosen nicht zu übersehen. Erst danach folgt Immersionsöl oder Desinfektionsspray. Bei Dermatoskopen mit polarisiertem Licht kann darauf verzichtet werden.
Was man sieht
Die Leitlinie unterscheidet häufige von selteneren Befunden. Häufig sind gelbe Punkte, schwarze Punkte, abgebrochene Haare, Ausrufezeichenhaare und Vellushaare. Seltener beschrieben sind senkrechte Haare, spitz zulaufende Haare, Schweineschwänzchen-Haare und Pohl-Pinkus-Einschnürungen.
| Befund | Was es ist |
|---|---|
| Yellow dots | Runde gelbe oder rosa-gelbe Punkte: erweiterte, aber intakte Follikelöffnungen, gefüllt mit Talg oder Keratinozytenresten |
| Black dots | Reste im Haarkanal abgebrochener Haarschäfte, vor allem bei dunklem Haar und hellem Hauttyp |
| Abgebrochene Haare | Kurze, abgebrochene Haarschäfte |
| Ausrufezeichenhaare | Kurze, abgebrochene Haare, die sich zum proximalen Ende hin verjüngen |
| Vellushaare | Dünne, unpigmentierte Flaumhaare |
| Senkrechte Haare | Gesunde, senkrecht nachwachsende Haare mit spitz zulaufendem distalem Ende |
| Spitz zulaufende Haare | Normal aussehende Haare mit spitz zulaufendem proximalem Ende — Vorläufer von Ausrufezeichenhaaren und schwarzen Punkten |
| Pigtail hairs | Kurze, nachwachsende, zusammengerollte Haare mit spitzen Enden — Hinweis auf Remission |
| Pohl-Pinkus-Einschnürungen | Fortschreitende, unregelmäßige Verschmälerung entlang des Haarschafts — Hinweis auf den Schweregrad |
Was welcher Befund bedeutet
Nur ein Befund ist beweisend. Die Leitlinie hält fest: Ausrufezeichenhaare sind pathognomonisch für die Alopecia areata und finden sich typischerweise am aktiven Rand der Herde.
Alle anderen sind Hinweise, keine Beweise:
- Gelbe Punkte treten vor allem bei lang bestehenden Läsionen und bei schwereren Formen auf — sie kommen aber auch bei androgenetischer Alopezie und bei Trichotillomanie vor.
- Schwarze Punkte und kurze abgebrochene Haare sind typisch für den aktiven Randbereich, ebenfalls auch bei Trichotillomanie zu sehen.
- Vellushaare in Bereichen, die normalerweise Intermediär- oder Terminalhaare tragen, werden mit Remission oder mit lang anhaltender Erkrankung in Verbindung gebracht — die Richtung ergibt sich erst aus dem Verlauf.
- Senkrechte Haare finden sich auch bei Telogen-Effluvium, Trichotillomanie, Tinea capitis und temporaler triangulärer Alopezie.
- Pohl-Pinkus-Einschnürungen treten auch bei chemotherapieinduzierter Alopezie auf.
Das ist der praktische Punkt: Wer im Netz eine Bilderliste abgleicht, kommt regelmäßig zum falschen Ergebnis, weil fast jeder Einzelbefund mehrdeutig ist. Die Diagnose entsteht aus der Kombination — und aus der Lokalisation am aktiven Rand.