Lexikon · Klinik
Rasur bei Rosazea
Die Leitlinie empfiehlt bei Rosazea die Trockenrasur — und benennt damit eine Frage, die bei Männern fast nie gestellt wird.
Auch: Trockenrasur bei Rosazea
Der Satz
Die S2k-Leitlinie Rosazea:
Bei männlichen Patienten sollte stets auch die Rasur der Gesichtsbehaarung besprochen werden. Hierbei ist eine trockene Rasur der Nassrasur vorzuziehen, da letztere zu Mikrotraumen der Hautoberfläche und damit der Hautbarriere führt. Zudem sollten alkoholische Rasierwasser aufgrund ihrer reizenden Eigenschaften vermieden werden.
Warum das bemerkenswert ist
Weil es eine der wenigen Stellen in einer deutschen Leitlinie ist, an der eine männerspezifische Alltagshandlung ausdrücklich zum Behandlungsthema erklärt wird. „Stets” ist dabei nicht dekorativ: Die Leitlinie stellt fest, dass das Gespräch darüber zur Behandlung gehört.
Was gegen die Nassrasur spricht
Die Klinge trägt bei jedem Zug nicht nur Haar, sondern auch Hornschicht ab. Bei gesunder Haut ist das folgenlos. Bei Rosazea trifft es eine Barriere, die ohnehin gestört ist — und jede weitere Störung senkt die Schwelle für Brennen, Spannungsgefühl und Schub.
Was gegen Rasierwasser spricht
Alkohol ist ein Adstringens. Die Leitlinie führt Alkohol ausdrücklich in der Liste der zu meidenden Stoffe, gemeinsam mit ätherischen Ölen, Menthol, Kampfer, bestimmten Duftstoffen und Konservierungsmitteln.
Das kühlende Brennen nach dem Rasieren, das viele als Zeichen der Wirkung lesen, ist genau die Reizung, die vermieden werden soll.
Die Einordnung
Die Empfehlung ist kein Verbot der Nassrasur für alle. Sie gilt bei Rosazea. Wer keine Rosazea hat, aber empfindliche Haut, kann daraus trotzdem das Prinzip mitnehmen: Die Reizung entsteht durch das Abtragen der Hornschicht, nicht durch das Haar.