Lexikon · Technik
Low-Level-Lasertherapie
Rotlicht gegen Haarausfall. Die deutsche S3-Leitlinie gibt für die Alopecia areata keine Empfehlung ab — und nennt einen Sicherheitsvorbehalt.
Auch: LLLT · Kaltlasertherapie · Laserhaube, Laserkamm
Was es ist
Die Low-Level-Lasertherapie, auch Kaltlasertherapie genannt, arbeitet mit geringer Leistung und stützt sich nach der deutschen S3-Leitlinie „in erster Linie auf photochemische Effekte, um zelluläre Reparaturmechanismen zu stimulieren”. Sie nutzt rotes Licht, um den Zellstoffwechsel anzuregen, die Haarfollikel in die Anagenphase zu versetzen und diese zu verlängern.
Die Abgrenzung, die dabei oft verwischt: Die Lasertherapie der Klasse IV nutzt höhere Leistungsdichten für eine tiefere Gewebedurchdringung und kann photochemische und photothermische Effekte erzeugen. Das ist ein anderes Verfahren, auch wenn beides „Laser” heißt.
Die in den ausgewerteten Studien verwendeten Protokolle: Wellenlängen von 655 bis 904 nm, Behandlungsdauer 10 bis 25 Minuten, zwei- bis dreimal wöchentlich über sechs bis zwölf Wochen.
Der Zulassungsstatus — und was er nicht heißt
Die Leitlinie stellt fest, dass die LLLT eine von der FDA zur Behandlung der androgenetischen Alopezie zugelassene Therapie ist. Das ist der Satz, mit dem Laserhauben und Laserkämme beworben werden.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist die androgenetische Alopezie eine andere Erkrankung als die Alopecia areata. Zweitens ist die FDA-Freigabe eine US-amerikanische Entscheidung, die für den deutschen Markt nichts präjudiziert.
Was die Leitlinie zur Alopecia areata sagt
Auf der Basis der identifizierten Evidenz kann die Leitliniengruppe keine Empfehlung für die Anwendung von hochenergetischen und Low-Level-Lasersystemen (mit Ausnahme der Excimer-Therapie) zur Behandlung der AA bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aussprechen.
Starker Konsens, evidenzbasiert. Begründet wird das mit den kleinen Fallzahlen in den meisten Studien, den kurzen Nachbeobachtungszeiträumen und den heterogenen Behandlungsprotokollen. Selbst bei vorliegenden Hinweisen auf Wirksamkeit reichte das der Gruppe nicht für eine bedingte Empfehlung.
Für die Excimer-Therapie gilt eine Ausnahme — siehe Excimer bei Alopecia areata.
Ein Nebenbefund zur Einordnung: In einer Übersichtsarbeit zur PRP-Therapie hatte PRP einen größeren Effekt auf den Haardurchmesser als die LLLT — und PRP ist bei der Alopecia areata selbst nur eine Option ohne Empfehlung.
Der Sicherheitsvorbehalt
Diesen Absatz sollte man kennen, bevor man ein Gerät kauft:
Die Low-Level-Lasertherapie hat sich bei verschiedenen medizinischen Anwendungen als eventuell nützlich erwiesen, unter anderem bei der Stimulierung des Haarwachstums, doch gibt es potenzielle Bedenken hinsichtlich ihrer Anwendung. Einige Studien deuten darauf hin, dass LLLT die Vermehrung bestimmter Krebszellen verstärken kann, auch wenn derzeit noch keine endgültigen Daten vorliegen.
Und die Konsequenz, die die Leitlinie daraus zieht:
In der Aufklärung werden daher mögliche Risiken sorgfältig erläutert, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit bösartigen Hauterkrankungen in der Anamnese.
Zur ehrlichen Einordnung gehört: Die zitierten Arbeiten untersuchen Zellkulturen und Tiermodelle, nicht Menschen. Die Leitlinie selbst schreibt „keine endgültigen Daten”. Das ist kein Beleg für ein Risiko — aber es ist der Grund, warum eine Aufklärungspflicht formuliert wird, und es ist ein Punkt, der in der Vermarktung von Heimgeräten nicht vorkommt.
Wer eine Vorgeschichte mit Hautkrebs hat, sollte das vor einer LLLT ansprechen. Das ist die Aussage — nicht mehr, aber auch nicht weniger.