Lexikon · Klinik
Labordiagnostik bei Alopecia areata
Es gibt keinen Bluttest für die Alopecia areata. Die Leitlinie sagt auch, welche Untersuchungen ausdrücklich nicht sinnvoll sind.
Auch: Blutwerte bei kreisrundem Haarausfall
Der Ausgangspunkt
Es gibt bisher keine validierten Biomarker, die bei der Diagnose einer AA bestimmt werden können.
Die Diagnose stellt sich klinisch und über die Trichoskopie. Das Labor dient der Suche nach Begleiterkrankungen und der Differenzialdiagnose — nicht der Diagnosestellung.
Die Leitlinie legt außerdem offen, dass sie hier auf umstrittenem Boden steht:
Zu etlichen Laborparametern herrscht international Uneinigkeit, so zum Beispiel ob routinemäßige Screenings auf Vitamin-D-Mangel und Schilddrüsenerkrankungen durchgeführt werden sollten. Dennoch entschied sich die Leitliniengruppe für die oben formulierte Empfehlung.
Was empfohlen wird
Bei allen mit AA: Ein Screening auf eine Schilddrüsenerkrankung (TSH) sollte durchgeführt werden. Starker Konsens.
Bei Erwachsenen: Differenzialblutbild sowie Nieren- und Leberfunktion sollten untersucht werden. Die erweiterten Schilddrüsenwerte (TSH, TPO, gegebenenfalls TRAK und TG), der ANA-Titer und 25-OH-Vitamin-D nur, wenn eine spezifische anamnestische und/oder klinische Indikation dafür besteht. Starker Konsens.
Bei Kindern und Jugendlichen fällt das Programm breiter aus: Zum Screening auf mögliche Komorbiditäten sollten Differenzialblutbild, Nieren- und Leberfunktion, Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4, TPO), ANA-Titer und 25-OH-Vitamin-D untersucht werden. Hier trägt die Empfehlung nur „Konsens”, nicht „starken Konsens” — also 75 bis 95 Prozent Zustimmung statt über 95.
Bei Hinweisen auf weitere Autoimmunerkrankungen aus Anamnese oder Klinik sollte eine gezielte Labordiagnostik erfolgen. Starker Konsens.
Vor einer systemischen Behandlung sollen dieselben Untersuchungen erfolgen, die für das jeweilige Medikament auch bei anderen dermatologischen Erkrankungen vorgesehen sind — nach Fachinformation und den Handlungsempfehlungen des Wirkstoffs. Das ist eine „soll”-Empfehlung, die stärkste Stufe.
Bei klinischem Verdacht auf eine Tinea capitis soll eine mykologische Abklärung erfolgen — ebenfalls „soll”. Ohne diesen Verdacht ist die mykologische Diagnostik keine Routineuntersuchung.
Was ausdrücklich nicht sinnvoll ist
Die klarste Aussage der ganzen Passage ist eine Negativempfehlung in der stärksten Form:
Eine infektionsserologische Untersuchung, insbesondere hinsichtlich virologischer Trigger, sofern es anamnestisch und klinisch orientierend keinen zusätzlichen Infektionsverdacht gibt, soll nicht bestimmt werden.
Begründung: In Ermangelung relevanter klinischer Symptome und Anzeichen sei eine Virusserologie nicht sinnvoll, um einen potenziellen Auslöser für eine AA-Episode zu identifizieren.
Und ein zweiter Satz, der ein häufiges Anliegen aufgreift:
Der morgendliche Cortisolspiegel ist kein nützlicher Test bei Patientinnen und Patienten, die glauben, dass Stress eine AA-Episode ausgelöst haben könnte.
Das ist keine Aussage darüber, ob Stress eine Rolle spielt. Es ist eine Aussage darüber, dass die Blutabnahme diese Frage nicht beantwortet.
Nur im Einzelfall
Folgende Untersuchungen sind laut Leitlinie nicht bei allen mit der Diagnose AA angezeigt, sondern ausschließlich zur differenzialdiagnostischen Abklärung:
- vollständiges Blutbild
- Nieren- und Leberfunktion
- Screening auf weitere Autoimmunerkrankungen
- Bindegewebserkrankungen
- Zöliakie
- perniziöse Anämie
- Diabetes
Wozu das gut ist
Eine Laborliste ist kein Selbstzweck. Sie ist die Grundlage dafür, im Gespräch zu erkennen, ob ein Vorschlag der Leitlinie folgt — und ob eine breite Serologie, die nirgends empfohlen wird, tatsächlich einen Zweck erfüllt.
Zu den Begleiterkrankungen, die das Screening überhaupt erst begründen, siehe Komorbiditäten bei Alopecia areata.