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Aktinische Keratosen: Welches Verfahren wofür — der Vergleich

Zehn Verfahren, drei Empfehlungsgrade, ein Kapitel Leitlinie. Was die S3-Empfehlungen tatsächlich unterscheiden — und woran man erkennt, wo die Daten dünn werden.

Von der GLABRIO-Redaktion3 Min. Lesezeit

Quellenlage geprüft am 23. August 2026.

Wer mit aktinischen Keratosen in einer Praxis sitzt, bekommt in der Regel ein Verfahren vorgeschlagen — selten den Vergleich. Die S3-Leitlinie enthält ihn.

Die Übersicht

VerfahrenEmpfehlungGradLoE
Kombinationstherapie feld- + läsionsgerichtetsollte angeboten werdenB1
Photodynamische Therapie, Rotlicht (ALA/MAL)sollte angeboten werdenB1
Tageslicht-PDT (ALA/MAL)sollte angeboten werdenB1
Imiquimod 5 % Cremesollte angeboten werdenB1
Diclofenac-Natrium 3 % Gelsollte angeboten werdenB1
5-Fluorouracil 5 % Cremesollte angeboten werdenB1
5-Fluorouracil 4 % Cremesollte angeboten werdenB2
5-FU 0,5 % + Salicylsäure 10 %sollte angeboten werdenB2
Imiquimod 3,75 % Cremesollte angeboten werdenB2
Tirbanibulin 1 % Salbesollte angeboten werdenB2
Kryochirurgiesollte angeboten werdenB2
Ablative Laserverfahrenkönnen angeboten werden02
Chemoexfoliation (Peeling)kann angeboten werden03
Kaliumhydroxid 5 % Lösungkann angeboten werden03
Ingenolmebutatsoll nicht angeboten werdenA2

Was diese Tabelle nicht ist

Sie ist keine Rangliste. Die Leitlinie weist kein Verfahren als überlegen aus, und für den direkten Vergleich von 5-Fluorouracil 5 % und Imiquimod 5 % hält sie ausdrücklich fest, dass die Datenlage keine Aussage über die Überlegenheit des einen gegenüber dem anderen zulässt.

Empfehlungsgrad B bei elf von fünfzehn Verfahren heißt: Die Leitlinie hält mehrere Wege für gangbar. Die Auswahl richtet sich nach dem Befund, nicht nach einer Bestenliste.

Die drei Fragen, die die Auswahl tatsächlich steuern

Wie viele Läsionen, und wie verteilt? Einzelne, gut abgrenzbare Stellen sind eine läsionsgerichtete Aufgabe. Ein flächig geschädigtes Areal ist eine feldgerichtete. Kaliumhydroxid ist ausdrücklich auf maximal zehn Läsionen mit höchstens 2 cm Durchmesser begrenzt, die „gut abgrenzbar und isoliert” sein sollen.

Wie dick sind sie? Für die Tageslicht-PDT nennt die Leitlinie eine deutliche Abstufung nach Grad: 80,2 % komplette Abheilung bei Grad I, 63,8 % bei Grad II, 39,3 % bei Grad III. Dicke, stark verhornte Läsionen sprechen auf Feldtherapien schlechter an — sie brauchen eine Abtragung davor.

Was ist durchhaltbar? Die häufigste Ursache für das Scheitern einer Feldtherapie ist der Abbruch. 5-Fluorouracil erzeugt über Wochen ein sichtbar entzündetes Feld. Tirbanibulin dauert fünf Tage. Diclofenac ist mild und dafür schwächer. Eine zu Ende geführte schwächere Therapie schlägt eine abgebrochene starke.

Wo die Daten dünn werden

Drei Verfahren tragen Level of Evidence 3: Chemoexfoliation und Kaliumhydroxid, jeweils mit Empfehlungsgrad 0. Das ist konsistent — schwache Datenlage, offene Empfehlung.

Auffällig ist ein anderer Fall: Tirbanibulin trägt Empfehlungsgrad B, aber die Leitlinie stützt die Empfehlung auf eine einzige Referenz. Zum Vergleich: Bei Imiquimod 5 % sind es fünfzehn, bei 5-Fluorouracil 5 % elf. Das ist kein Argument gegen das Mittel — es ist ein Argument dagegen, es als das neue Beste zu verkaufen.

Die eine klare Absage

Ingenolmebutat trägt als einziges Verfahren des Kapitels Empfehlungsgrad A — und zwar dagegen. Grundlage ist eine Sicherheitsanalyse mit einer höheren Inzidenz von Plattenepithelkarzinomen (3,3 % gegenüber 0,4 % unter Imiquimod). Die EU-Zulassung ruht seit Januar 2020.

Was Sie im Gespräch fragen sollten

  • Behandeln wir Läsionen oder das Feld — und warum?
  • Wenn nur Läsionen: Was ist der Plan für die Fläche dazwischen?
  • Welchen Grad haben die Läsionen, und passt das Verfahren dazu?
  • Wie sieht das Behandlungsfeld in Woche zwei aus?
  • Wann und woran wird gemessen, ob es gewirkt hat?

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