- Beleglage:Leitlinie
- Status:In Deutschland zugelassen
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Warum 86 Prozent und 68 Prozent aus derselben Studie stammen
Abheilraten werden auf zwei völlig verschiedene Arten berechnet. Wer den Unterschied nicht kennt, vergleicht Zahlen, die nicht vergleichbar sind.
Quellenlage geprüft am 23. August 2026.
In einer Praxisbroschüre steht „86 % Abheilung”. In der Leitlinie steht für dasselbe Verfahren 68 %. Beide Zahlen sind richtig. Sie messen nur nicht dasselbe.
Die zwei Rechenwege
Patientenbezogen — der Anteil der Behandelten, bei denen alle Läsionen abgeheilt sind. In Studien meist „komplettes Ansprechen” genannt.
Läsionsbezogen — der Anteil aller behandelten Läsionen, die abgeheilt sind. Meist „Abheilrate”.
Wer zehn Läsionen hat und nach der Behandlung eine übrig behält, zählt läsionsbezogen zu 90 % als Erfolg — und patientenbezogen zu 0 %.
Das Beispiel aus der Leitlinie
Für den Vergleich MAL-PDT gegen Diclofenac-Natrium 3 % nach drei Monaten:
| Kennzahl | MAL-PDT | Diclofenac 3 % |
|---|---|---|
| Komplettes Ansprechen (patientenbezogen) | 68 % | 27 % |
| Abheilrate (läsionsbezogen) | 85,9 % | 51,8 % |
Dieselbe Studie, dieselben Menschen, dieselbe Behandlung. Und ein Unterschied von 18 bzw. 25 Prozentpunkten, je nachdem, welche Zeile zitiert wird.
Welche Zahl für Sie zählt
Die patientenbezogene. Die Frage lautet nicht „Wie viele meiner Stellen gehen weg?”, sondern „Bin ich danach frei?”. Für die Entscheidung, ob eine Behandlung ausreicht oder ob eine zweite nötig wird, ist die läsionsbezogene Rate zu optimistisch.
Die dritte Stellschraube: der Zeitpunkt
Jede Rate gilt für einen Messzeitpunkt, und der ist frei wählbar. Die Leitlinie nennt je nach Studie:
- acht Wochen nach Behandlungsende — bei den Imiquimod-Zulassungsstudien
- drei Monate — beim Vergleich MAL-PDT gegen Diclofenac
- zwei Jahre — bei der Dermabrasio (83–96 %)
Je später gemessen wird, desto mehr Rezidive sind schon eingetreten. Eine Acht-Wochen-Rate und eine Zwei-Jahres-Rate sind keine vergleichbaren Größen — und die Zwei-Jahres-Zahl ist die ehrlichere.
Die vierte: wer gemessen hat
Bei den drei Imiquimod-Zulassungsstudien erfolgte die Bewertung laut Leitlinie „bei zwei der drei Studien klinisch und bei Szeimies et al. mittels Histologie”. Klinisch heißt: Man sieht nichts mehr. Histologisch heißt: Unter dem Mikroskop ist nichts mehr. Das ist ein deutlich härterer Endpunkt.
Die fünfte: wer eingeschlossen wurde
Die Imiquimod-Zulassungsstudien haben hyperkeratotische und hypertrophe Läsionen — Grad III nach Olsen — explizit ausgeschlossen. Die genannten Raten gelten also nicht für dicke, stark verhornte Stellen.
Die eine Frage, die alles klärt
Wenn Ihnen eine Zahl genannt wird, fragen Sie: Wie viele Behandelte waren danach vollständig frei, und wann wurde das gemessen?
Wer diese Frage nicht beantworten kann, zitiert eine Zahl aus einer Broschüre. Wer sie beantworten kann, hat die Studie gelesen.