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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer

Lexikon · Wirkstoffe

Prostaglandin-F2α-Analoga am Haar

Ursprünglich Glaukommittel, heute Wimpernwuchsmittel. Für die Kopfhaut spricht die S3-Leitlinie eine klare Negativempfehlung aus.

Auch: Bimatoprost · Latanoprost · Wimpernseren

Die Negativempfehlung

Die deutsche S3-Leitlinie zur Alopecia areata ist bei der Kopfhaut eindeutig, und zwar in der stärksten Form:

Die topische Anwendung von Prostaglandin-F2α-Analoga soll Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit allen Formen der AA zur Anwendung auf der Kopfhaut nicht angeboten werden.

Starker Konsens, evidenzbasiert. In der Symbolik der Leitlinie ist das ein ↓↓ — „alle oder fast alle informierten Menschen würden sich gegen diese Intervention entscheiden”.

Und trotzdem eine Ausnahme

Für die Wimpern führt dieselbe Tabelle eine 0, also eine offene Empfehlung. Die Leitlinie erklärt, warum:

Prostaglandin-F2α-Analoga wie Bimatoprost und Latanoprost wurden ursprünglich gegen das Glaukom entwickelt und weisen haarwachstumsfördernde Eigenschaften auf, insbesondere an den Wimpern. Die therapeutischen Optionen für den Wimpernverlust bei Alopecia areata sind sehr begrenzt — international besteht Konsens, dass diese Substanzen als topische Erstbehandlung bei Wimpern-AA verschrieben werden können.

Die Zahlen dazu: In einer Studie zum Wimpernverlust bei Alopecia universalis erreichten unter Latanoprost 17,5 Prozent ein vollständiges Nachwachsen der Wimpern, in der unbehandelten Kontrollgruppe niemand.

Der Befund, der irritiert

Es gibt eine randomisierte Studie, die Bimatoprost mit einem topischen Kortikosteroid an der Kopfhaut verglichen hat: Mometasonfuroat 0,1 % einmal täglich gegen Bimatoprost 0,3 % zweimal täglich, an je einem AA-Areal am Kopf, über drei Monate.

Endpunkt nach drei MonatenBimatoprostMometasonfuroat
Haarnachwachsen48,9 %22,4 % (p = 0,001)
Rückfallrate4 %11,8 % (p = 0,03)

Bimatoprost war also in beiden Endpunkten statistisch signifikant besser — und die Leitlinie spricht trotzdem eine starke Negativempfehlung für die Kopfhaut aus.

Das ist kein Widerspruch, sondern der Unterschied zwischen einer Einzelstudie und einer Empfehlung: Die Empfehlung stützt sich auf die Gesamtschau der Evidenz (Level 2), nicht auf ein einzelnes Ergebnis. Wer Studienabstracts gegen Leitlinien ausspielt, übersieht regelmäßig genau diesen Schritt. Es ist allerdings auch ein Befund, den man im Kopf behalten sollte, wenn die Leitlinie in fünf Jahren fortgeschrieben wird.

Verträglichkeit

In den eingeschlossenen Studien traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf. Beobachtet wurden meist milde, vorübergehende Ereignisse: leichte Schmerzen und Rötungen an der Applikationsstelle sowie Haarwuchs an unerwünschten Stellen (am Augenlid). Im Vergleich zu topischen Kortikosteroiden war das Nebenwirkungsprofil günstiger.

In den Studien wurde Bimatoprost in einer Konzentration von 0,03 Prozent angewendet, Latanoprost mit 0,005 Prozent, meist ein- bis zweimal täglich über mehrere Monate.