- Beleglage:Zulassungsstand
- Status:In Deutschland zugelassen
Injektionen
Deoxycholsäure-Injektion
Injektion einer Gallensäure zur Reduktion des submentalen Fettpolsters. Zugelassen — mit einem Rote-Hand-Brief wegen Nekrosen.
Auch: Kybella · Belkyra · Fett-weg-Spritze
- Wirkprinzip
- Deoxycholsäure zerstört die Zellmembran von Fettzellen. Das freigesetzte Fett wird über den normalen Stoffwechsel abtransportiert.
- Körperregion
- Submental · Hals
- Sitzungen
- Mehrere Sitzungen; ein Durchgang genügt in der Regel nicht
- Ausfallzeit
- Deutliche Schwellung über Tage bis Wochen — die Regel, nicht die Ausnahme
- Wirkdauer
- Zerstörte Fettzellen bilden sich nicht neu; das Ergebnis hängt am Gewicht
- Hauptrisiko
- Ulzerationen und Nekrosen an der Injektionsstelle einschließlich arterieller Nekrose (Rote-Hand-Brief 01/2019)
Ungeeignet, wenn: der unscharfe Übergang durch erschlaffte Haut oder ein zurückliegendes Kinn entsteht: Fettreduktion kann das Bild dann verschlechtern.
Der Rote-Hand-Brief
Im Januar 2019 informierte der Hersteller in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur und dem BfArM über Nekrosen an der Injektionsstelle — einschließlich arterieller Nekrose — im submentalen Behandlungsareal oder in dessen unmittelbarer Umgebung. Vorausgegangen waren nach Markteinführung gemeldete Fälle von Ulzerationen und Nekrosen.
Ein Rote-Hand-Brief für ein ästhetisches Präparat ist selten. Er ist der Grund, warum dieses Verfahren trotz Zulassung kein Massenprodukt wurde.
Was daraus folgt
Die anatomische Abgrenzung ist die ganze Behandlung. Zugelassen ist das submentale Areal. Wer entlang des Kieferrandes „mitnimmt”, verlässt das Anwendungsgebiet und den Bereich, für den das Risikoprofil erhoben wurde.
Die Frage an die Praxis: Ist der Rote-Hand-Brief zu Deoxycholsäure bekannt, und wie wirkt er sich auf Vorgehen und Aufklärung aus? Die Antwort trennt die Kenntnis der Fachinformation von der Kenntnis einer Produktschulung.