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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer
  • Beleglage:Zulassungsstand
  • Status:In Deutschland zugelassen

Aus den USA

Doppelkinn wegspritzen: Was der Rote-Hand-Brief zu Kybella bedeutet

Deoxycholsäure war das erste Mittel gegen das submentale Fettpolster ohne Operation. Die Behörden mussten wegen Nekrosen nachschärfen.

Von der GLABRIO-Redaktion2 Min. Lesezeit

Quellenlage geprüft am 23. August 2026.

Das submentale Fettpolster — umgangssprachlich Doppelkinn — ist bei Männern das häufigste Anliegen unterhalb des Gesichts und zugleich das mit den wenigsten nichtoperativen Optionen. Deoxycholsäure war das erste Arzneimittel, das dafür zugelassen wurde.

In den USA kennt man es als Kybella, in Teilen Europas lief es als Belkyra. Die Substanz ist eine körpereigene Gallensäure, die Fettzellen zerstört, indem sie deren Zellmembran auflöst. Das abgebaute Fett wird über den normalen Stoffwechsel abtransportiert.

Das klingt nach dem eleganten Ausweg für alle, die für eine Fettabsaugung nicht in den OP wollen. Der Grund, warum das Verfahren trotz Zulassung nie zum Massenprodukt wurde, steht in einem Behördendokument.

Der Rote-Hand-Brief

Im Januar 2019 informierte der Hersteller in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte über Nekrosen an der Injektionsstelle — einschließlich arterieller Nekrose — im submentalen Behandlungsareal oder in dessen unmittelbarer Umgebung.

Ein Rote-Hand-Brief ist kein Beipackzettel-Update. Er ist das Instrument, mit dem Hersteller und Behörden Fachkreise über ein neu erkanntes, relevantes Risiko informieren. Dass ein ästhetisches Präparat einen bekommt, ist selten.

Vorausgegangen waren nach Markteinführung gemeldete Fälle von Ulzerationen und Nekrosen. Das Wirkprinzip erklärt, warum: Eine Substanz, die Zellmembranen auflöst, unterscheidet nicht zwischen Fettzellgewebe und anderem Gewebe, wenn sie an der falschen Stelle landet.

Was daraus für die Beratung folgt

Das Verfahren ist nicht verboten und nicht vom Markt. Es ist ein zugelassenes Arzneimittel mit einer bekannten, ernsten Risikosignatur. Daraus ergeben sich drei praktische Konsequenzen:

Die anatomische Abgrenzung ist die ganze Behandlung. Injiziert wird in ein klar umgrenztes Areal unterhalb des Kinns. Wer außerhalb davon behandelt — etwa entlang des Kieferrandes, um die Kontur „mitzunehmen” —, verlässt das zugelassene Anwendungsgebiet und den Bereich, für den das Risikoprofil erhoben wurde.

Schwellung ist hier kein Nebeneffekt, sondern die Regel. Die Reaktion nach der Injektion ist deutlich und dauert Tage bis Wochen. Wer einen Termin zwei Wochen vor einem wichtigen Anlass plant, plant falsch.

Mehrere Sitzungen sind der Normalfall. Ein Durchgang genügt in der Regel nicht, was die Gesamtbelastung und die Gesamtkosten vervielfacht.

Wann es das falsche Verfahren ist

Dieselbe Frage wie beim Jawline-Filler, nur von der anderen Seite: Ist das, was Sie stört, überhaupt submentales Fett?

Ein unscharfer Übergang zwischen Kinn und Hals entsteht ebenso durch erschlaffte Haut, durch ein zurückliegendes Kinn oder durch einen hohen Körperfettanteil insgesamt. Deoxycholsäure adressiert nur das lokalisierte Fettpolster. Bei erschlaffter Haut kann die Fettreduktion das Erscheinungsbild sogar verschlechtern, weil das Volumen wegfällt, das die Haut bislang gefüllt hat.

Die Praxis, die das vorher prüft und Ihnen gegebenenfalls abrät, ist die, bei der Sie richtig sind.

Die Frage, die Sie stellen sollten

Nicht: „Wie viele Sitzungen brauche ich?” Sondern:

„Ist der Rote-Hand-Brief zu Deoxycholsäure Ihnen bekannt, und wie wirkt er sich auf Ihr Vorgehen und die Aufklärung aus?”

Die Antwort trennt zuverlässig die Praxen, die das Präparat aus der Fachinformation kennen, von denen, die es aus einer Produktschulung kennen.

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