Lexikon · Klinik
Sonnenschutzmittel und Melanomrisiko
Die Leitlinie hält die Datenlage ausdrücklich für widersprüchlich. Ein seltener Fall von belegter Unsicherheit statt einfacher Antwort.
Auch: Sonnencreme und Melanom
Das Statement
Die S3-Leitlinie zur Prävention von Hautkrebs formuliert als evidenzbasiertes Statement, Level of Evidence 1++ bis 2+, Konsensstärke 97 %:
Es liegen widersprüchliche Daten dafür vor, ob das Melanomrisiko durch die Benutzung von Sonnenschutzmitteln gesenkt wird.
Gestützt auf sieben Primärstudien.
Was das nicht heißt
Es heißt nicht, dass Sonnenschutzmittel nutzlos sind. Dieselbe Leitlinie empfiehlt sie mit Empfehlungsgrad A für Hautstellen, die nicht anders geschützt werden können. Für den hellen Hautkrebs — aktinische Keratosen, Plattenepithelkarzinom — ist die Studienlage anders.
Warum die Daten widersprüchlich sind
Weil Sonnenschutzmittel in Beobachtungsstudien nicht zufällig verteilt sind. Wer sie benutzt, ist im Mittel heller, sonnenempfindlicher, exponierter — und bleibt womöglich länger draußen, weil er sich geschützt fühlt. Diese Risikokompensation verzerrt jede Kohorte.
Ein zweiter Grund: Die tatsächliche Anwendung entspricht selten der im Labor geprüften. Ein Faktor 50, dünn aufgetragen, ist kein Faktor 50.
Warum das hier steht
Weil ein Magazin, das Produkte bespricht, den Punkt kennen muss, an dem die Studienlage die Werbeaussage nicht trägt. „Schützt vor Hautkrebs” ist bei Sonnenschutzmitteln und dem Melanom eine Aussage, die die aktuelle deutsche S3-Leitlinie so nicht macht.
Die Konsequenz ist nicht, weniger Sonnenschutz zu betreiben. Sie ist, ihn nicht allein auf die Tube zu stützen — siehe die Reihenfolge der Schutzmaßnahmen.