Lexikon · Recht und Zulassung
Hierarchie der Präventionsmaßnahmen
Vier Stufen in fester Rangfolge: Substitution, Technik, Organisation, Person. Verhalten steht ganz unten — nicht oben.
Auch: STOP-Prinzip · Maßnahmenhierarchie
Die vier Stufen
Die S1-Leitlinie Kontaktekzem stellt sie für das irritative Kontaktekzem in dieser Reihenfolge auf:
1. Substitution / Elimination — Austausch oder Verbot irritierender Inhaltsstoffe durch nationale oder internationale Vorschriften und gesetzliche Regelungen.
2. Technische Maßnahmen — Kontaktvermeidung durch Abkapselung oder Automatisierung von Prozessen, durch Nutzung von Hilfsmitteln; Herstellung weniger hautreizender Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Textilien, Haushaltschemikalien, Flüssigseifen.
3. Organisatorische Maßnahmen — Verteilung irritativer Belastungen auf verschiedene Personen in Beruf und Privatleben; Reduktion von Zeiten der Feucht- und Irritanzienbelastung.
4. Personenbezogene Maßnahmen — Gesundheitserziehung, Einzelschulungen und Aufklärungskampagnen: Anleitung zum richtigen Händewaschen, Tragen geeigneter Schutzhandschuhe, Empfehlungen zur Händehygiene, hautschonende Arbeitsweise.
Warum die Reihenfolge zählt
Weil sie umgekehrt zur üblichen Praxis ist. In der Praxis fängt man bei Stufe 4 an: Der Betroffene soll sich anders verhalten. Die Leitlinie fängt bei Stufe 1 an: Der Stoff soll verschwinden.
Der Grund ist derselbe wie beim UV-Schutz. Verhaltensprävention verlangt eine ständige, bewusste Entscheidung von jedem Einzelnen. Die oberen Stufen wirken ohne diese Entscheidung — und damit auch bei denen, die die Schulung nicht besucht haben.
Die Unterscheidungen, die dazugehören
Die Leitlinie trennt zusätzlich nach Adressat — Individualprävention (Einzelperson) gegenüber Generalprävention (Berufsgruppe, Bevölkerung) — und nach Ansatzpunkt: Verhaltensprävention (Anleitung zur Verhaltensänderung) gegenüber Verhältnisprävention (Anpassung der Lebens- und Arbeitsbedingungen).