Lexikon · Klinik
Läsionsgerichtet und feldgerichtet
Die grundlegende Unterscheidung in der Behandlung aktinischer Keratosen: einzelne sichtbare Läsionen behandeln oder das ganze geschädigte Areal.
Auch: Feldtherapie · Läsionstherapie
Zwei Denkweisen
Läsionsgerichtet heißt: Was man sieht, wird behandelt. Kryochirurgie, Kürettage, Kaliumhydroxid-Lösung arbeiten so. Sie sind schnell, gezielt und belasten nur die behandelte Stelle.
Feldgerichtet heißt: Das ganze lichtgeschädigte Areal wird behandelt, auch dort, wo noch nichts zu sehen ist. 5-Fluorouracil, Imiquimod, Diclofenac, Tirbanibulin und die photodynamische Therapie arbeiten so.
Warum das eine das andere nicht ersetzt
Die sichtbaren Läsionen sind nicht die ganze Veränderung. Im umgebenden Feld liegen bereits veränderte Zellklone, die noch keine tastbare Läsion gebildet haben — das ist der Begriff der Feldkanzerisierung. Wer nur die sichtbaren Stellen entfernt, sieht die nächsten in wenigen Monaten wieder.
Umgekehrt scheitern Feldtherapien an dicken, stark verhornten Läsionen: Der Wirkstoff dringt nicht ein.
Die Konsequenz in der Leitlinie
Genau deshalb steht die Kombination beider Ansätze in der S3-Leitlinie mit Empfehlungsgrad B und Level of Evidence 1:
Eine primäre oder sequentielle Kombinationstherapie aus verschiedenen feld- oder läsionsgerichteten Verfahren sollte für die aktinische Keratose angeboten werden.
Woran man das im Beratungsgespräch merkt
Daran, ob überhaupt vom Feld die Rede ist. Wer nur die vier tastbaren Stellen auf der Stirn vereist und keinen zweiten Termin vorschlägt, behandelt Symptome.