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Grundlagen

Sonnenschutz: Was die S3-Leitlinie wirklich sagt

Zwei Milligramm pro Quadratzentimeter, Nachcremen verlängert nichts, und die Creme steht an dritter Stelle. Die Empfehlungen im Wortlaut.

Von der GLABRIO-Redaktion2 Min. Lesezeit

Quellenlage geprüft am 23. August 2026.

Sonnenschutz ist das Thema, zu dem es die meisten Ratschläge und die wenigsten Zitate gibt. Die S3-Leitlinie zur Prävention von Hautkrebs ist da erfreulich konkret.

Die Empfehlung zur Anwendung im Wortlaut

Auf freien Hautflächen, die mit Kleidung nicht bedeckt sind — genannt werden Kopf, Gesicht, Hände, Arme, Beine —, sollten Sonnenschutzmittel sorgfältig aufgetragen werden, und dabei ist zu beachten (Konsensstärke 95 Prozent):

  • adäquaten Lichtschutzfaktor verwenden
  • ausreichend dicke Schicht auftragen (2 mg/cm²)
  • gleichmäßige Auftragung auf allen freien Hautflächen
  • Auftragung vor der Sonnenexposition
  • Wiederholung nach zwei Stunden und nach dem Baden — die Schutzzeit wird hierdurch nicht verlängert

Der letzte Halbsatz ist der wichtigste des ganzen Themas. Nachcremen stellt den Schutz wieder her, den Schwitzen, Abrieb und Wasser weggenommen haben. Es schenkt keine zusätzliche Zeit.

Die Menge, die niemand aufträgt

2 mg/cm² sind für einen erwachsenen Körper etwa 30 bis 40 Milliliter — grob ein Schnapsglas. Für Gesicht und Hals allein ungefähr ein gehäufter Teelöffel.

Wer weniger nimmt, verliert überproportional an Schutz. Das ist der Grund, warum Menschen mit LSF 50 einen Sonnenbrand bekommen.

Für die Produktwahl folgt daraus etwas Unerwartetes: Eine Textur, die man großzügig auf Gesicht, Ohren und Nacken aufträgt, ohne dass es stört, schützt besser als ein teureres Produkt, von dem man sparsam nimmt.

Die Rangfolge

Die Leitlinie stellt die Creme nicht an den Anfang. Die Empfehlung zur UV-Exposition (Konsensstärke 100 Prozent) kommt zuerst:

  • Bei UV-Index 3–7 in der Mittagszeit Schatten suchen
  • Bei UV-Index 8 und höher den Aufenthalt im Freien in der Mittagszeit möglichst vermeiden; wenn nicht möglich, unbedingt Schatten
  • Aktivitäten gegebenenfalls in Morgen- und Abendstunden verlegen
  • Einen Sonnenbrand vermeiden

Ergänzend: Längere Aufenthalte zwischen 11 und 16 Uhr bei starker Einstrahlung nach Möglichkeit ganz vermeiden.

Dann kommt Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille. Und als zusätzliche Maßnahme die Creme auf dem, was frei bleibt.

Die Einschränkung, die selten zitiert wird

Die Leitlinie führt ein evidenzbasiertes Statement mit Evidenzlevel 1++ bis 2+: Es liegen widersprüchliche Daten dafür vor, ob das Melanomrisiko durch die Benutzung von Sonnenschutzmitteln gesenkt wird.

Das ist kein Argument gegen Sonnencreme. Es ist ein Argument dagegen, sie als Erlaubnis für längere Aufenthalte in der Sonne zu verstehen — genau das ist der Effekt, den die Studienlage vermutlich mit abbildet.

Was Männer regelmäßig auslassen

Drei Areale, an denen die kumulative Dosis besonders hoch ist und Creme besonders selten landet: die Kopfhaut bei kurzem oder lichtem Haar, die Ohren und der Nacken. Dazu die Unterlippe — dort entsteht die aktinische Cheilitis.

Für alle vier ist eine Kopfbedeckung die zuverlässigere Lösung.

Quellen

  1. S3-Leitlinie Prävention von Hautkrebs, AWMF-Register-Nr. 032/052OLLeitlinie · Version 2.1, September 2021 · register.awmf.org

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